Rücksicht

Rücksicht ist ein Wort unserer Sprache, das bestimmt irgendwann ausstirbt, weil es zu abstrakt geworden ist und niemand mehr so recht weiß, was damit gemeint ist.

Dabei ist dieser Begriff eigentlich sehr verständlich, wenn man mal genau darüber nachdenkt. Rücksicht hat etwas mit ZURÜCKBLICKEN zu tun - und zwar unmittelbar nach einer Handlung. Hier ein paar Beispiele für die, die mit dem Wort schon jetzt nichts mehr anfangen können:
Rücksicht kann helfen, zu erkennen, das es eventuell Sinn gemacht hätte, den Wagen einfach noch einen Meter vorzufahren, weil dann noch eine Parklücke für ein weiteres Auto entstanden wäre - im Parkhaus hätte man sogar entdecken können, dass man auch zwischen statt auf den weißen Linien parken kann.

Der Herr, der direkt vor mir durch eine Tür ging und diese einfach zufallen ließ, hätte beim Blick zurück vielleicht gesehen, dass ich gerade mit beiden Händen eine Kiste mit Aktenordnern getragen habe.

Die Leute, die neulich eine Straße weiter 3 Matratzen, einen Herd und einen Kühlschrank einfach am Straßenrand abgestellt haben, hätten bei einem kurzen Blick zurück noch gesehen, dass das nicht schön aussieht und auch nicht zur Aufwertung der Wohngegend beiträgt.

Und die Nachbarn, die sich zwei Hunde angeschafft haben, um diese dann die meiste Zeit alleine zu lassen, hätten bei einem Blick zurück eventuell sogar gemerkt, dass die Tiere die sturmfreie Bude gar nicht gut finden und den ganzen Tag verzweifelt jaulen und bellen.

Diese Beispiele sollten für heute genügen - ich möchte niemanden überfordern.
Wer Rücksicht verlernt hat, muss erst ganz behutsam wieder an diese Thematik herangeführt werden. Schließlich fehlt einem ja offensichtlich nichts, wenn man rücksichtslos ist.
Dass Rücksichtnahme sogar glücklich und zufrieden machen kann und kein Hindernis auf dem Weg zum Ziel ist, lässt sich erst richtig begreifen, wenn man sie (aus-)geübt hat.
Nur Mut!